Bio-Gemüse aus dem eigenen Hochbeet - Bestseller-Autorin Doris Kampas
Reiche Ernte leicht gemacht: Pflanzenbauexpertin Doris Kampas erklärt Bio-Anbau für Einsteiger
Doris Kampas ist eine österreichische Pflanzenbauexpertin, Bestseller-Autorin und Inhaberin ihres Unternehmens bio-garten. Die 2007 gegründete Firma ist spezialisiert auf die Entwicklung, Produktion und den Verkauf von Hochbeeten aus nachhaltigem Holz und weiterer ökologischer Produkte für den Bio-Garten.
Die Weiterentwicklung von Anbaumethoden und Produkten, die das Gärtnern weniger anstrengend, dafür einfacher und ertragreicher gestalten, machen die Autorin und ihre Firma zur Vorreiterin und anerkannten Expertin.
Wie wird man zur Hochbeet- & Bio-Garten-Expertin? Wie sah der Weg zu dieser Berufung aus?
Der Garten und die Natur hat mich schon als Kind begeistert und nach einigen Berufsideen von Tierärztin über Verhaltensforscherin haben dann doch die Pflanzen gewonnen und ich habe mich für ein Pflanzenbau-Studium entschieden. Den Anbau von Gemüse habe ich immer schon geliebt, einfach das Entstehen und Werden aus einem kleinen Samenkorn zu einer großen, fruchttragenden Pflanze – wen diese Faszination einmal gepackt hat, den lässt sie nicht mehr los. Und meine Lebensmittel ohne Chemie bzw. Spritzmittel anzubauen, ist für mich sowieso das einzig Logische.
Aufs Hochbeet hat mich eigentlich mein Mann gebracht bzw. seine Körpergröße. Mit 2 Metern ist es schon ziemlich mühsam, am Boden herumzugraben. Im wunderbaren Buch „Der Bio-Garten“ von Marie Luise Kräuter fand ich Hochbeete beschrieben und so haben wir zuerst mal einen einfachen Prototyp gebaut.
Vor 20 Jahren waren Hochbeete ja noch nicht so bekannt wie heute, insofern kann ich jetzt einigen Erfahrungsvorsprung vorweisen. Zusätzlich habe ich im Laufe der Jahre zahlreiche Hochbeete bei Kundinnen und Kunden aufgebaut, befüllt und bepflanzt und dabei auch immer wieder etwas Neues gelernt.
Sind Hochbeete ein guter Einstieg für Anfänger? Was sind die Vorteile?
Hochbeete sind natürlich ein hervorragender Einstieg für Garten- bzw. Gemüseneulinge. Wenn ein Hochbeet mal steht und befüllt ist, gelingt einfach alles viel leichter.
Durch die spezielle Befüllung aus Grünschnitt, Laub, Rasenschnitt, Kompost und guter Bio-Erde gedeihen die Gemüsepflanzen viel besser und ertragreicher als auf einem Bodenbeet vergleichbarer Fläche. Als Faustregel gilt, dass der Ertrag im Hochbeet 1,5 bis 2 x so hoch ist.
Einen Vorteil finde ich für Anfänger besonders interessant: im Hochbeet bleibt es schön übersichtlich. Die doch überschaubare Fläche von etwa 2 m² überfordert nicht und ist einfach zu bepflanzen.
Ein weiteres Plus ist, dass man Schnecken und Wühlmause einfach aussperren kann. Gegen Schnecken hilft eine Schneckenkante rund ums Hochbeet und gegen Wühlmause wird ein feinmaschiges Wühlmausgitter ins Hochbeet gelegt.
Was sind die größten Fehler, die Anfänger machen? Worauf sollte man achten?
Der häufigste Fehler: im Überschwang wird viel zu viel und viel zu eng gesetzt. Am Anfang sehen die Pflänzchen ja klein und niedlich aus, aber schließlich wachsen sie und brauchen ausreichend Platz. Ein Salat z.B. rundum 30 cm, ein Zucchino sogar 100 x 100 cm. Um wirklich regelmäßig und viel ernten zu können, empfehle ich einen Anbauplan zu erstellen. Darauf sollten der Platzbedarf je Pflanze, der richtige Anbauzeitpunkt und der Erntezeitraum vermerkt sein. Mit etwas Geschick gelingen so sogar 3 Ernten im Jahr und das von derselben Fläche.
Ein Beispiel: im März wird Salat angebaut und bis Mitte Mai geerntet. Danach kommen auf dieselbe Fläche Tomaten. Die Ernte beginnt ab Juli und dauert bis Ende September. Anschließend kann noch Spinat gesät werden, der von Oktober bis Dezember erntereif ist. In meinen Hochbeet Büchern sind übrigens zahlreiche fertige Anbaupläne.
Hochbeet-Einsteiger? Oder Fortgeschrittener, der neue Inspirationen sucht? Dann sind die Hochbeet- & Biogarten-Bücher von Doris Kampas der perfekte Weg zur reichen Ernte.
Menschen, die besonders viel Obst & Gemüse verarbeiten, z. B. auch für Entsafter & Smoothies - wie können die eine breite Vielfalt an Gemüse anbauen und einen höheren Bedarf decken?
Wie vorher erwähnt, ist eine gute Planung das A und O für viel Ertrag.
Das folgende Beispiel zeigt, wie so eine Planung aussehen kann. Alle Zutaten sind wunderbar für Smoothies geeignet, darum nenne ich diese Bepflanzung auch das Smoothie-Beet. Es passt auf eine Fläche bzw. in ein Hochbeet mit 100 x 200 cm Größe. Die Gemüsearten werden ausgesät, außer es wird in der Legende explizit auf Jungpflanzen verwiesen. Legende von oben nach unten.
Anbau Ende Februar bis Mitte März
Feldsalat: 2 Reihen, je 15 cm breit
Spinat: 2 Reihen, je 25 cm breit
Radieschen: 1 Reihe, 15 cm breit
Pflücksalat: 1 Reihe, 30 cm breit
Rucola: 2 Reihen, 15 cm breit
Kopfsalat: 4 Jungpflanzen, 1 Reihe, 30 cm breit
Blutampfer: 1 Reihe, 15 cm breit
Anbau Mitte Mai
Grünkohl: 3 Jungpflanzen, 1 Reihe, 40 cm breit,
Gurke: 2 Jungpflanzen, 1 Reihe, 40 cm breit
dazwischen
Basilikum: 2 Jungpflanzen, 1 Reihe, je 20 cm breit
Kopfsalat: 4 Jungpflanzen, 1 Reihe, 30 cm breit
Pflücksalat: 1 Reihe, 30 cm breit
Sommerportulak: 1 Reihe, 30 cm breit
Wassermelone: 1 Jungpflanze, 40 cm breit, rankt nach außen
daneben
Kohlrabi und rote Bete: je eine Reihe, 15 cm breit
Anbau Mitte September
Grünkohl: bleibt
Pflücksalat: 2 Reihen, je 30 cm breit
Radieschen: 1 Reihe, 15 cm breit
Spinat: 2 Reihen, je 25 cm breit
Feldsalat: 1 Reihen, 15 cm breit
Asia-Salat Garnet Giant: 1 Reihe, 20 cm breit
Winterportulak: 2 Reihen, je 15 cm breit
Zusatz-Tipps
Es gibt noch einen zusätzliche „Trick“ beim Anbauen, vor allem, wenn nur kleine Flächen zur Verfügung stehen: Mehrfachernte vor Einmalernte. Konkret werden Gemüsearten angebaut, die über einen längeren Zeitraum regelmäßig Ertrag bringen, statt nur einmal geerntet zu werden. Hier einige Beispiele:
Pflücksalat statt Kopfsalat
Tomaten statt Blumenkohl
Grünkohl statt Wirsingkohl
Mangold statt Spinat
Stangensellerie statt Knollensellerie
Beim bio-garten Online-Shop gibt es eine große Auswahl an Hochbeeten für jeden Garten oder sogar Balkon. Zusätzlich findet man dort Samen, Nützlinge und Zubehör rund um den eigenen (kleinen oder großen) Bio-Garten.
Und wie sieht es mit Obst aus?
Für Smoothies und Säfte spielt Obst eine große Rolle. Auch auf kleinen Flächen muss man nicht auf den Eigenanbau verzichten.
Ein paar Ideen für eine gesunde Obsternte aus dem Garten oder vom Balkon:
Spalierobst: ideal für alle vertikalen Flächen. Also eine Hauswand, einen Gartenzaun, eine Mauer oder sogar ein höheres Balkongeländer. Obstarten, die auch als Spalierbäume wachsen sind Äpfel, Birnen, Quitten, Aprikosen, Pfirsiche und Pflaumen. Ein Spalierbaum muss regelmäßig erzogen, also geschnitten werden.
Säulenobst: etwas einfacher, vor allem für AnfängerInnen. Ein Säulenobstbaum trägt direkt am Stamm das Fruchtholz und wächst daher nicht in die Breite. Ein Schnitt ist lediglich in der Höhe notwendig, wenn der Baum zu weit nach oben wächst. Echte Säulenobstbäume gibt es von Äpfeln und Birnen. Andere Obstarten wir Aprikosen, Kirschen oder Pflaumen tragen ihre Früchte an kurzen Seitenästen, diese müssen regelmäßig nachgestutzt werden.
Beeren: klein, aber oho. Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren und Co sind reicht an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Sie brauchen wenig Platz und wachsen auch am Balkon, z.B. in einem Trog oder Mini-Hochbeet. Wer Brombeeren anbaut, muss sich nicht mehr vor den spitzen Dornen fürchten, denn mittlerweile gibt es auch dornenlose Züchtungen.
Wildobst: etwas in Vergessenheit geraten, aber vollgepackt mit wertvollen Inhaltsstoffen. Die Beeren lassen sich wunderbar entsaften. Pur genossen sind sie gewöhnungsbedürftig, aber gemischt mit anderen Obstsorten ein wahrer Genuss.
Ihre Top-3 Obstsorten?
Apfelbeeren (Aronia), Sanddorn und Felsenbirne.
Wie wichtig ist die Auswahl des Saatguts und wo finden Gärtner qualitativ hochwertiges, biologisches Saatgut?
Warum eigentlich Bio-Samen, wenn ich dann nichts mehr spritze, könnte man fragen? Auf den ersten Blick scheint es egal zu sein, doch es gibt einige gute Gründe für Bio-Saatgut. Konventionell produziertes Saatgut kann im Samenkorn Rückstände von chemischen Spritzmitteln enthalten. Manche Samen werden zudem gebeizt, also mit einem chemischen Mittel behandelt. Damit will man Krankheiten vorbeugen und die Keimung beschleunigen. Bei der Produktion von Nicht-Bio-Saatgut gelangen zudem Rückstände von Spritzmitteln und Düngern in Erde, Luft und Grundwasser.
Bio-Saatgut gibt es mittlerweile (fast) überall zu kaufen und vor allem kleinere Saatgutfirmen haben ihr Sortiment schon komplett umgestellt.
Welche Gemüsearten eignen sich besonders gut für Anfänger und welche für Fortgeschrittene?
Oft wird das Radieschen empfohlen, aber da bin ich ganz anderer Meinung. Für mich ist es ein ausgesprochen kapriziöses Gemüse. Zahlreiche Schädlinge fallen über die Pflänzchen her, wenn es trocken ist, werden sie holzig und wenn es zu feucht ist, verfaulen sie rasch. Schwierig sind auch andere Gemüsearten aus der Familie der Kohlgewächse, also Brokkoli, Rosenkohl, Kopfkohl oder Kohlrabi. Nicht, weil die Pflanzen so anspruchsvoll sind, sondern weil es zahlreiche Schädlinge auf sie abgesehen haben. An Kohlarten sollten sich also eher die Kenner wagen.
Für Einsteiger klappt es gut mit Pflücksalat, Zucchini, Buschbohnen und Chili. Auch Melonen, die sich ja wunderbar zum Entsaften eignen, gedeihen in warmen Sommern sehr gut.
Wie viel Zeit sollte ich hier mitbringen und wie viel Pflege braucht ein Hochbeet?
Für die Errichtung und Befüllung eines Hochbeetes sollte man ein bis zwei Tage reservieren. Sobald es befüllt ist, macht es tatsächlich sehr wenig Arbeit.
Etwa eine halbe Stunde pro Woche nehmen Anbau, Pflege der Pflanzen und Ernte in Anspruch. Je nach Temperatur und Niederschlagsmenge muss man noch ca. ½ bis 1 Stunde für das Gießen dazurechnen. Mit einer speziellen Hochbeet-Bewässerung entfällt die Gieß-Arbeit komplett.
Liebe Frau Kampas, vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre Antworten! Wir von Bluepick freuen uns auf Ihre weiteren Bücher & Bio-Garten-Tipps für uns Garten-Neulinge und Fortgeschrittenen!
Bildrechte: Hochbeet-Illustrationen: ©ruthveres ©loewenzahnverlag.at. | Banner-Foto: ©danielzangerl und ©loewenzahnverlag.at | Buchcover: ©loewenzahnverlag.at | Profilbild ©loewenzahnverlag.at ©Rita Newman
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