Ein Teller mit Brokkoli, Haferflocken und einem Stück Lachs liegt vor einem Affenschädel.

Haben Affen Karies? Warum Mundgesundheit auf dem Teller beginnt – Prof. Dr. Johan Wölber

Ein Interview über Evolution, Zuckerentwöhnung und einfache Strategien für gesunde Zähne

Prof. Dr. Johan Wölber

Univ.-Prof. Dr. Johan Wölber

Professor Dr. Johan Wölber ist Zahnarzt, Ernährungsmediziner und Professor für Parodontologie an der TU Dresden. Er erforscht seit vielen Jahren den Zusammenhang zwischen Ernährung und Mundgesundheit und wurde mehrfach für seine Lehre und Forschung ausgezeichnet. Mit seinem besonderen Fokus auf Prävention vermittelt er komplexe Erkenntnisse verständlich und praxisnah – und macht das Thema Mundgesundheit durch seine Bücher auch für Patientinnen und Patienten leicht zugänglich.

Viele Menschen denken, dass Zahnpflege vor allem eine Frage des Putzens ist. Warum spielt die Ernährung Ihrer Meinung nach eine ebenso große Rolle?

Wir wissen aus archäologischen Funden unserer Spezies und den Befunden von anderen wildlebenden Affen, dass Karies und Parodontitis unter natürlichen Lebensbedingungen und sogar ohne Zähneputzen weitaus seltener vorkommen als heutzutage unter industriellen Bedingungen. Zähneputzen ist ja kein instinktives Verhalten, sondern wird kulturell antrainiert.

Kein Tier in der Natur putzt sich die Zähne und hat trotzdem bessere Mundgesundheit als wir.

Daher stellt sich die Frage: was machen Tiere anders? Neben fehlendem Drogenkonsum wie Rauchen ernähren sich die meisten Tiere auch anders als der heutige Homo sapiens unter industriellen Bedingungen. Vor allem der Konsum von verarbeiteten Kohlenhydraten wie Zuckern, Weißmehlen, Säften und Softdrinks erzeugt bei uns eine gewaltige Krankheitslast.

Sie sprechen in Ihren Büchern von den „sechs Prinzipien einer mundgesunden Ernährung“. Können Sie einige dieser Prinzipien ganz kurz vorstellen und erklären, warum sie so wichtig sind?

Gerne. Wie vorhin schon angesprochen, ist die Wahl von vollwertigen Kohlenhydraten ein ganz entscheidendes Element, denn für die Art von Kohlenhydratkonsum sind wie evolutionär angepasst.

Das heißt, statt Weißmehl sollte Vollkorn konsumiert werden und statt Saft, Softdrinks und Süßigkeiten sollte ganzes Obst gegessen und vor allem Wasser getrunken werden.

Das hat eine Reihe von tollen Effekten wie Schutz vor Karies und Zahnfleischentzündungen, niedrigere Blutzuckerschwankungen, weniger Hunger, weniger Körpergewicht, mehr Ballaststoffe als gesundes Futter für gesunde Darmbakterien, weniger Cholesterin und automatisch mehr Mikronährstoffe, die vor allem in vollwertigen Lebensmitteln vorkommen.

Ein anderes Prinzip ist es, auf die Zufuhr von marinen Omega-3-Fettsäuren zu achten, ob aus Fisch oder aus Algen. 

Und ein weiteres Prinzip ist es, unsere Evolution im Hinterkopf zu behalten mit der Frage “Wäre ich auf dieses Produkt/Lebensmittel auch unter Steinzeitbedingungen in Kontakt gekommen?”

Für die meisten Produkte heißt die Antwort meistens nein und damit spart man sich sehr viel Ungesundes. Es gibt natürlich wenige Ausnahmen wie Haferkleie oder Algenöl.

Wir haben sie deshalb Prinzipien genannt, da es schwer ist, für jeden einzelnen die „perfekte“ Ernährung zu formulieren. Die Prinzipien können einen durch den industriellen Dschungel an Produkten hindurch helfen.

Wie gelingt die Umsetzung einer besseren Ernährung im oft hektischen Alltag? Haben Sie eine Art „Einstiegsstrategie“?

Es gibt Dinge, von denen man so sehr profitiert, dass ich sie eigentlich bei allen Patient*innen schrittweise empfehle, wie eine Zuckerentwöhnung.

Machen Sie sich frei von dem Schrott. Zucker hat abgesehen von einem kurzen Hochgefühl keine einzige positive Auswirkung im Körper, er macht nur Schäden und abhängig.

Je früher man davon loskommt, umso besser. Den Weg dahin, wie schnell und wie viel weniger, kann jeder selbst bestimmen. Aber jeder Reduktionsschritt lohnt sich, wie z. B. von 3 Löffeln Zucker im Kaffee auf einen zu reduzieren. Je weniger Zucker man konsumiert, desto weniger braucht man ihn noch.

Ansonsten sind Dinge wie Vitamin D Check oder Vollkorn, Fisch/Algenöl, Vollwertkost insgesamt Dinge, die man stückchenweise in seinen Lebensalltag integrieren kann.

Mit der mundgesunden Ernährung loslegen?

Wie hängen Ernährung, Karies und Übergewicht zusammen? Wie kann man seine Ernährung umstellen? In Die Ernährungs-Zahnbürste erklärt Prof. Dr. Johann Wölber zusammen mit Prof. Dr. Christian Tennert, wie wir mit der richtigen Kost nicht nur unsere Zähne, sondern auch unsere Gesundheit langfristig schützen.

Wie kann ich Ernährung und Zahnpflege-Routinen, wie das Zähneputzen, miteinander verbinden? Gibt es hier Wechselwirkungen, worauf muss ich achten?

Das ist ein guter Punkt. Es geht nicht um entweder oder, sondern um sowohl als auch.

Ich reinige mir auch mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta zweimal am Tag die Zähne, einfach weil ich jeden Tag Obst esse. Damit gehe ich sicher, dass auch wirklich keine Karies auftritt.

Wechselwirkungen mit gesunder Ernährung gibt es in der Regel keine. Wenn man Polyphenol-haltige Lebensmittel zu sich nimmt (wie grünen oder schwarzen Tee), die eine immens gute Wirkung gegen Zahnbelag und Gingivitis haben, muss man mit Verfärbungen rechnen. Diese lassen sich aber problemlos im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung entfernen.

Ansonsten würde ich lediglich von Grapefruit abraten, wenn man schon Medikamente nehmen muss, da bestimmte Stoffe der Grapefruit die Wirkung von Medikamenten verändern können.

Wenn man ChatGPT oder Google nach den Hauptursachen für entzündliche Zahnfleischerkrankungen (Gingivitis, Parodontitis) befragt, erhält man nur wenig zu Ernährung. Ist das Thema Ernährung in der Zahnmedizin noch unterrepräsentiert?

ChatGPT und Google fassen das Mainstream-Wissen zusammen, welches Zahnbelag als Hauptverursacher von Zahnfleischerkrankungen auffasst. Evolutionär betrachtet, kann das aber nicht stimmen (siehe erste Frage).

Ich habe ChatGPT selbst mit fünf Fachartikeln gefüttert, die Ernährung als den maßgeblichen Faktor herausgestellt haben, und nach dem Grund für Zahnfleischerkrankungen gefragt. Als Antwort kam zwar nun zunächst Ernährung, aber auch die Empfehlung, den Zahnbelag zu entfernen, obwohl das in den Artikeln gar nicht vorkam.

Es gibt tausende Artikel, die die Zahnbelagentfernung adressieren, aber nur wenige, die die Ernährung hervorheben. Ein maßgebliches Problem dabei ist auch, dass gesunde Ernährung keine industrielle Lobby hat.

Von gesunder Ernährung profitieren weder die Lebensmittelindustrie, noch die Mundhygieneindustrie, noch die Zahnärztinnen und Zahnärzte.

Der finanzielle Vorteil wäre „lediglich“ bei der Bevölkerung, aber diese hat keine Lobby.

In Ihren Büchern finden sich viele kreative Rezepte. Haben Sie ein Lieblingsrezept, das Sie unseren Leserinnen und Lesern empfehlen würden?

Ich bin totaler Pasta-Fan (aber natürlich integrale, also Vollkorn) und finde die vegetarische Bolognese mit Berglinsen großartig. Das Sugo aus Olivenöl, Zwiebeln, Knoblauch, Karotten, Tomaten, Lorbeer, Rosmarin und Berglinsen (ggf. mit etwas Gemüsebrühe) richtig schön köcheln lassen, aber so, dass die Berglinsen noch leichten Biss haben. Großartig!

Noch mehr leckere & gesunde Rezepte entdecken?

Die Prinzipien einer zahngesunden Ernährung direkt in der eigenen Küche umzusetzen? In AL Dente: Das Kochbuch der Ernährungszahnmedizin findet man zahlreiche unkomplizierte Rezepte und praktische Tipps. So wird es leicht, gesunde, leckere Gerichte ohne Zucker und Weißmehl zu entdecken und dauerhaft in den Alltag zu integrieren.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Zahnmedizin und welche Botschaft möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern mitgeben?

Ich träume von einer Zahnmedizin, bei welcher im ersten Schritt der Lifestyle der Patient*innen gründlich erfasst wird (v.a. bezüglich Ernährung, Raucherentwöhnung, Sport und Stress) und dann mittels Gesundheitscoaching individuelle Ziele angesteuert werden – begleitet mit klassischen Maßnahmen wie Mundhygieneförderung und professioneller Zahnreinigung.

Damit könnten wir richtig viel Mund- und Allgemeingesundheit fördern, lange bevor irgendwelche Allgemeinerkrankungen auftreten.

Als Botschaft hätte ich die Empfehlung, immer nach den Upstream-Faktoren zu fragen. Man kann seine Zähne zwar mittels Zähneputzen und Fluoriden vor Karies (einigermaßen) schützen. Aber weder Zahnbelag an sich, noch ein Fluoridmangel sind Auslöser für Karies. Es ist ein zu hoher Zucker und verarbeiteter Kohlenhydratkonsum.

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