Mundgesunde Ernährung und Sport– Prof. Dr. Christian Tennert
Warum Zahnschmerzen manchmal vom Teller kommen – ein Zahnarzt und Ernährungsmediziner erklärt die Zusammenhänge
Prof. Dr. med. dent. Christian Tennert ist Zahnarzt, Ernährungsmediziner und assoziierter Professor für Zahnerhaltung an der Universität Bern. Er forscht seit vielen Jahren zu den Zusammenhängen von Ernährung und Mundgesundheit und war unter anderem Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Sportzahnmedizin. Mit populärwissenschaftlichen Büchern wie „Die Ernährungs-Zahnbürste“ macht er sein zahnmedizinisches Fachwissen auch für ein breites Publikum zugänglich.
Sie sind nicht nur Zahnarzt, sondern auch Ernährungsmediziner und haben in Studien untersucht, wie sich die Ernährung auf die Mundgesundheit auswirkt – was sind ihre wichtigsten Erkenntnisse?
Wenn man als Zahnarzt oraler Erkrankungen, wie Karies, Gingivitis und Parodontitis, kausal vorbeugen bzw. therapieren möchte, dann ist die richtige Ernährung wichtiger, als Mundhygiene.
Karies, Gingivitis und Parodontitis sind Lifestyle-Erkrankungen, die primär Ernährungsbedingt sind, die mit Mundhygiene sicherlich ganz gut reduziert und deren Entstehung und Progression reduziert/verzögert werden können, die Ernährung ist dabei aber der entscheidendere Faktor.
Das konnten schon einige Studien und eigene Untersuchungen zeigen. Es ist dabei entscheidend, auf Zucker weitgehend zu verzichten und den Anteil industriell hergestellter Nahrungsmittel auf ein Minimum zu reduzieren.
Eine mundgesunde Ernährung besteht aus überwiegend natürlichen Nahrungsmitteln, ist ballaststoffreich, besteht aus überwiegend pflanzlicher Kost, reichhaltig Omega-3-Fettsäuren und wenig tierische Produkte.
Wie hängen Ernährung, Karies und Übergewicht zusammen? In Die Ernährungs-Zahnbürste erklärt Prof. Dr. Christian Tennert zusammen mit Prof. Dr. Johann Wölber, wie wir mit der richtigen Kost nicht nur unsere Zähne, sondern auch unsere Gesundheit langfristig schützen.
In AL Dente: Das Kochbuch der Ernährungszahnmedizin, übersetzen die Autoren wissenschaftliche Erkenntnisse in leckere Rezepte – mit den sechs Prinzipien für eine mundgesunde Ernährung, leicht erklärt und sofort umsetzbar.
Gibt es Beispiele aus Ihrer klinischen Arbeit oder dem Praxisalltag, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind und die zeigen, wie stark Ernährung die Mundgesundheit beeinflussen kann?
Ich bekomme viele Patienten für Wurzelkanalbehandlungen überwiesen. Ich habe darunter auch viele Patienten gehabt, die mit sehr lange bestehenden Beschwerden überwiesen wurden. Einigen dieser Patienten konnten durch eine gezielte „antientzündliche Ernährung“ über einen Zeitraum von etwa 6–8 Wochen ihre Beschwerden stark reduzieren oder sogar ganz abklingen und damit die Wurzelkanalbehandlung abschließen. Solche Fälle sind für mich sehr eindrücklich.
Gibt es konkrete Lebensmittel, die Sie als besonders mundgesund empfehlen? Und gibt es welche, die wir auf jeden Fall meiden sollten?
Als mundgesund sind grundsätzlich sämtliche natürliche Nahrungsmittel mit hohem Ballaststoffanteil zu empfehlen: Obst, Gemüse, besonders Beeren, Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen), Nüsse und Samen. Weiterhin sind Omega-3-Fettsäure-reiche Nahrungsmittel, wie fetter Seefisch, Fischöl/Algenöl (in Kapseln) zu empfehlen.
Unbedingt zu vermeiden sind sämtliche Nahrungsmittel mit zugesetztem Zucker, also sämtliche Süßigkeiten, Süßgetränke. Weiterhin rate ich von Weißmehlprodukten ab, da diese stark industriell prozessiert sind und außer einem hohen Kohlenhydratanteil kaum Ballaststoffe enthalten.
Sie waren Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Sportzahnmedizin. Zähne und Sport – das klingt für viele erstmal ungewohnt. Wie hängen Sport und Mundgesundheit zusammen?
Also Sportler, insbesondere im Leistungs- und Spitzensport ist die generelle Gesundheit und Mundgesundheit enorm wichtig. Hat ein Sportler Entzündungen in der Mundhöhle, z. B. einen entzündeten Zahn aufgrund einer tiefen Karies, dann kann seine Leistungsfähigkeit stark absinken. Es ist für Sportler enorm wichtig, Entzündungen und auch Schmerzen in der Mundhöhle zu vermeiden. Viele Trainier haben die Mundgesundheit ihrer Athleten im Fokus.
Im Alltag von Sportlern sind Energy-Drinks, Nahrungsergänzungsmittel und spezielle Ernährungsformen verbreitet. Welche Auswirkungen können diese auf die Zahngesundheit haben?
Energy-Drinks haben ein hohes erosives und kariogenes Potential. Deshalb sollten sie so wenig wie möglich konsumiert werden. Erfahrungsgemäß werden von Leistungssportlern nur sehr wenig Energy-Drinks konsumiert. Unter Hobby-Sportlern und Nicht-Sportlern ist der Konsum von Energy-Drinks deutlich höher.
Spezielle Ernährungsformen, wie vegetarische oder vegane Ernährung, ist unter Sportlern sehr weit verbreitet. Und das ist auch ganz gut so, denn eine vegetarische und vegane Ernährung kann gesund gestaltet werden und das sind Ernährungsformen, die das Verdauungssystem nicht so stark belasten. Es gibt natürlich noch viele andere Ernährungsformen, die je nach Sportart, geeigneter oder weniger geeignet sind.
Nahrungsergänzungsmittel machen bei Sportlern Sinn, wenn ein Mangel oder vielleicht sogar Symptome vorliegen. Die meisten Sportler sind diesbezüglich aber in guter Betreuung bei ihren Hausärzten oder Sportmedizinern.
Abschließend: Was ist Ihre wichtigste Botschaft für alle, die ihre Mundgesundheit langfristig erhalten möchten – egal ob Sportler oder nicht?
Beschäftigen Sie sich mit dem Thema Ernährung und Gesundheit. Es ist mittlerweile so vieles sehr gut untersucht. Die meisten Zivilisationskrankheiten, die Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und viele neurologische Erkrankungen, die Alzheimer, Demenz, Multiple Sklerose und auch Krebserkrankungen, sind mit Ernährung stark beeinflussbar bzw. vorzubeugen.
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