„Man steht plötzlich mitten im Song“ – David Ziegler über Dolby Atmos und die Zukunft des Hörens
Wie Dolby Atmos unser Hörerlebnis verändert – vom Heimkino ins Auto und direkt ins Ohr
David Ziegler ist Content and Partner Relations Manager bei Dolby Laboratories und seit über 15 Jahren in der Audiobranche tätig. Er war Teil des Teams, das Dolby Atmos 2012 weltweit in Kinos und Studios eingeführt hat, und gehört heute als „Mr. Dolby Atmos“ zu den führenden Experten für immersiven Sound.
In seiner Rolle arbeitet er eng mit Filmschaffenden, Musiklabels, Streamingdiensten und Tonstudios zusammen und vermittelt, wie Dolby Atmos kreativ und praxisnah eingesetzt wird – vom Kino ins Heimkino hin zu den neusten Anwendungen wie Automotive Audio.
Als Schnittstelle zwischen Technologie und Kreativszene prägt er maßgeblich die Weiterentwicklung immersiver Klangformate.
Was steckt eigentlich genau hinter dem bekannten Namen Dolby?
Dolby ist ein Technologieunternehmen, dessen Geschäftsmodell im Kern auf Patentlizenzierung basiert. Wir entwickeln Technologien und lizenzieren diese an Hersteller. In jedem Gerät, das Dolby Atmos unterstützt – also Soundbars, Smartphones, Tablets, Heimkinoanlagen oder inzwischen auch immer mehr Fahrzeuge – steckt also Technologie von uns.
Dolby verfolgt dabei einen besonderen Ansatz: Wir versuchen nicht, Bild oder Ton erst „bei der Wiedergabe“ im Endgerät zu verbessern, sondern wir setzen bereits sehr früh im kreativen Prozess an, das heißt: Beim Sounddesign, beim Mixing oder auch beim Color Grading wird bereits mit Dolby-Technologien gearbeitet.
Das, was der Endnutzer später hört oder sieht, basiert also direkt auf den kreativen Entscheidungen, die im Studio getroffen wurden. Wir arbeiten sehr eng mit der Kreativbranche zusammen und entwickeln unsere Lösungen so, dass sie Teil des kreativen Prozesses werden – nicht nur ein technisches Add-on am Ende.
Genau das unterscheidet Dolby auch von vielen anderen Technologieunternehmen.
Was ist dein Job bei Dolby? Wie sieht deine Arbeit aus?
Ich arbeite genau an dieser Schnittstelle zwischen Technologie und Kreativbranche. Mein Schwerpunkt liegt auf Dolby Atmos, aktuell vor allem im Musikbereich. Ich arbeite viel mit Mixing Engineers, Produzenten, Labels und teilweise auch direkt mit Künstlern zusammen.
Meine Aufgabe ist, zu erklären, was Dolby Atmos ist, wie man damit arbeitet, wie ein Studio dafür eingerichtet sein muss und wie der gesamte Workflow aussieht – von der Produktion bis zur Auslieferung.
Ich helfe, technische Hürden abzubauen, damit die Musikproduzenten, Engineers und Künstler Dolby Atmos optimal nutzen können.
Das ist ein sehr abwechslungsreicher Job und macht viel Spaß. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich einmal genau in diesem Bereich lande, aber es passt ziemlich gut.
Wie kommt man zu so einem interessanten Job?
Ich habe Tonmeister studiert und danach erst einmal ganz klassisch in der Postproduktion gearbeitet, also Sounddesign und Mischung für Kinofilme und TV gemacht.
Irgendwann hat Dolby dann jemanden mit genau diesem Hintergrund gesucht: jemanden, der aus dem Filmtonbereich kommt und die Perspektive der Kreativen kennt. So bin ich 2012 zu Dolby gekommen.
Anfangs habe ich dort im Kinobereich gearbeitet – Dolby Atmos hat ja 2012 seinen Anfang im Kino genommen. Wir haben also die ersten Dolby Atmos Tonstudios in Deutschland ausgerüstet und eingemessen und die ersten Dolby Atmos Kinofilm-Produktionen begleitet.
Mit der Zeit kamen dann weitere Bereiche dazu, zum Beispiel Heimkino – wo man Dolby Atmos auf Blu-Rays sowie im Streaming bei Netflix, Disney und Co. findet. Seit einigen Jahren sind wir immer aktiver im Bereich Dolby Atmos Musik - wo aktuell auch klar der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt.
Was ist eigentlich Dolby Atmos – ganz einfach erklärt?
Dolby Atmos ist eine Technologie, mit der sich Ton dreidimensional erstellen, transportieren und wiedergeben lässt – also nicht nur von vorne oder hinten, sondern auch von oben.
Die Grundidee dahinter ist, dass das, was man später im Wohnzimmer, im Kino oder auf Kopfhörern hört, möglichst genau dem entspricht, was der Künstler oder der Regisseur im Studio gehört und beabsichtigt hat. Diesen Ansatz nennen wir „Artist Intent“.
Es geht also darum, die künstlerischen Entscheidungen, die bei der Tonmischung getroffen wurden, so originalgetreu wie möglich auf möglichst viele verschiedene Wiedergabegeräte zu übertragen.
Ein wichtiger Punkt dabei ist die Flexibilität von Dolby Atmos. Wir arbeiten mit einem sogenannten objektbasierten Ansatz. Das bedeutet: Klänge werden nicht festen Lautsprechern zugewiesen, sondern als Objekte in einem dreidimensionalen Raum platziert. Bei der Wiedergabe übernimmt dann ein sogenannter Renderer die Aufgabe, diese Objekte optimal auf die vorhandenen Lautsprecher zu verteilen.
Dadurch funktioniert Dolby Atmos auf sehr unterschiedlichen Setups – vom großen Kinosaal mit über 60 Lautsprechern bis hin zu Heimkinoanlagen, Soundbars oder sogar Kopfhörern.
Für Letztere gibt es einen speziellen binauralen Renderer, der den räumlichen Eindruck auf zwei Ohren herunterrechnet. Man kann also sagen: Dolby Atmos skaliert von extrem großen Set-ups bis ganz nach unten – ohne dass die kreative Idee verloren geht.
Wenn man Dolby Atmos zu Hause erleben möchte – zum Beispiel im Heimkino – benötige ich da wirklich ein Studio-System mit echten Deckenlautsprechern?
Das ist eine gute Frage. Wenn man sich anschaut, wie Dolby Atmos im Studio eingesetzt wird, wirkt das erstmal sehr beeindruckend. Dort arbeitet man oft mit zwölf oder mehr großen Lautsprechern an Wänden und Decke. Das ist natürlich ein Setup, das sich nur wenige Menschen zu Hause realisieren können – und auch nicht wollen.
Deshalb war von Anfang an klar, dass Dolby Atmos nicht nur für professionelle Studios funktionieren darf, sondern auch für den Heimgebrauch. Die Idee ist, das Erlebnis skalierbar zu machen.
Wer möchte, kann sich ein aufwendiges Heimkino mit vielen Lautsprechern bauen – das ist großartig, keine Frage. Aber es muss eben auch mit deutlich einfacheren Setups funktionieren.
Im Heimkino-Bereich spielen deshalb Soundbars eine große Rolle. Viele moderne Soundbars enthalten sozusagen „mehrere kleine Lautsprecher“ in einem Gehäuse. Teilweise kommen noch Satelliten-Lautsprecher hinzu, die sich per Bluetooth oder WLAN verbinden und so echten Surround-Sound ermöglichen, ohne dass man Kabel durch den Raum legen muss. Das ist ein großer Vorteil gegenüber klassischen Heimkino-Installationen.
Zusätzlich arbeiten viele dieser Soundbars mit Reflexionen. Das heißt, sie strahlen Schall gezielt zur Decke oder zu den Seitenwänden, sodass der Ton von dort zurück in den Raum reflektiert wird. Auf diese Weise entstehen zusätzliche Höheneffekte, ohne dass man echte Deckenlautsprecher installieren muss.
So kann man mit relativ wenigen sichtbaren Lautsprechern ein sehr räumliches Klangbild erzeugen. Die Bandbreite ist dabei groß: Es gibt einfache Dolby-Atmos-Soundbars im Einstiegsbereich, die beispielsweise nur nach vorne und nach oben abstrahlende Lautsprecher eingebaut haben, und es gibt deutlich umfangreichere Systeme mit extra Subwoofer und Surround-Lautsprechern, die ein sehr immersives Klangfeld erzeugen können.
Je nach Budget und Anspruch lässt sich Dolby Atmos also sehr flexibel nutzen – vom kompakten Setup bis hin zum vollwertigen Heimkino. Und ein weiterer Bereich, der immer wichtiger wird, ist inzwischen auch das Auto, in dem Dolby Atmos zunehmend zum Einsatz kommt.
Dolby Atmos im Auto? Wie funktioniert das?
Wir arbeiten mit immer mehr Automobilherstellern zusammen, die Dolby Atmos in ihre Fahrzeuge integrieren, zum Beispiel Mercedes, Volvo, Audi und Porsche. Bei Mercedes beispielsweise ist Dolby Atmos durch die ganze Modellpalette in allen Fahrzeugen mit „Burmester“-Soundsystem integriert.
Mittlerweile arbeiten wir mit mehr als 30 Automobilherstellern zusammen, die Dolby Atmos in mehr und mehr Modelle integrieren. Das ist ein sehr spannender Bereich, weil immersives Audio im Auto wirklich ein ganz neues Hörerlebnis bietet.
Natürlich schaut man während der Fahrt in der Regel keine Filme oder Serien. Deshalb spielt hier vor allem Musik eine große Rolle. Genau deshalb sind unsere Partnerschaften mit Musik-Streaming-Diensten wie Apple Music und Amazon Music so wichtig. Über diese Plattformen kann man Musik in Dolby Atmos hören. Inzwischen gibt es übrigens auch Hörbücher und Hörspiele in Dolby Atmos - zum Beispiel bei Audible.
Das zeigt ganz gut, wie sich das Thema weiterentwickelt hat. Dolby hat schon immer Mehrkanalformate wie 5.1 unterstützt, aber mit Dolby Atmos ist es jetzt möglich, dieses räumliche Hörerlebnis wirklich flexibel in ganz unterschiedliche Umgebungen zu bringen – vom Kino bis ins Auto.
Was ist genau der Unterschied zu diesen früheren Mehrkanalformaten wie Dolby Digital Plus (DD+)? Lohnt sich ein Upgrade für mich auf ein Dolby-Atmos-System?
Für den Nutzer ergeben sich durch Atmos mehrere Vorteile:
Erstens: Die dritte Dimension. Mit Dolby Atmos kommen Höheninformationen hinzu. Geräusche können also nicht nur von vorne oder hinten, sondern auch von oben kommen. Das sorgt für ein realistischeres und immersiveres Klangbild, ein echtes Mittendrin-Gefühl.
Zweitens: Die hohe Flexibilität bei der Wiedergabe. Während klassische 5.1- oder 7.1-Formate an feste Lautsprecher-Setups gebunden sind, passt sich Dolby Atmos an die vorhandene Hardware an – egal ob großes Heimkino, Soundbar oder Kopfhörer. Ein Atmos-Mix funktioniert auf vielen Systemen, weil der sogenannte Renderer die Objekte automatisch auf die vorhandenen Lautsprecher verteilt.
Drittens: Dolby Atmos ist in bestehende Codecs eingebettet, etwa Dolby TrueHD auf Blu-ray oder Dolby Digital Plus beim Streaming. Das sind Codecs, die Milliarden Endgeräte auf der Welt verstehen. Das heißt: Auch wenn man kein Atmos-Setup verfügbar hat, ist der Inhalt abwärtskompatibel und lässt sich auch auf 5.1- oder Stereoanlagen und TVs abspielen. Man bekommt dann automatisch einen Downmix – ohne Kompatibilitätsprobleme.
Ein weiterer spannender Punkt ist eine neue Technologie, die wir kürzlich vorgestellt haben: Dolby Atmos FlexConnect. Dabei geht es darum, Lautsprecher noch flexibler im Raum platzieren zu können. Die Lautsprecher müssen nicht mehr exakt symmetrisch stehen. Das System erkennt automatisch, wo sich welche Lautsprecher befinden, und passt die Wiedergabe entsprechend an.
Der Fernseher steht vorne, zwei zusätzliche Lautsprecher irgendwo im Raum – FlexConnect erkennt ihre Position, kalibriert das System selbstständig und erzeugt daraus ein optimales räumliches Klangbild. Gerade für Wohnzimmer, in denen man keine perfekte Lautsprecheraufstellung realisieren kann, ist das ein großer Vorteil.
Zusammengefasst kann gesagt werden: Der große Mehrwert von Dolby Atmos liegt in der Kombination aus räumlichem 3D-Klang, hoher Flexibilität und Zukunftssicherheit – egal ob im Heimkino, im Auto, auf der Soundbar oder in neuen Systemen wie FlexConnect.
Wenn ich Dolby Atmos richtig intensiv erleben möchte – gibt es konkrete Filme, Serien oder Musik, die du aktuell besonders empfehlen würdest?
Ja, auf jeden Fall. Es gibt da einige Beispiele, an denen man sehr gut hört, was mit Dolby Atmos möglich ist. Im Musikbereich ist ein sehr schönes Beispiel das Album I/O von Peter Gabriel. Das hat sogar den Grammy für den besten immersiven Mix gewonnen und ist wirklich hervorragend gemacht. Da hört man sehr klar, wie räumlich Musik plötzlich wirken kann, ohne künstlich zu klingen.
Auch ein Künstler, den ich persönlich sehr empfehlen kann, ist Max Cooper. Er arbeitet sehr bewusst mit Raum und Bewegung im Klang – das funktioniert in Dolby Atmos extrem gut.
Und natürlich Kraftwerk: Die haben ihren kompletten Katalog in Dolby Atmos neu gemischt. Den gibt es sowohl auf Blu-ray als auch bei den Streamingdiensten. Wenn man dort ein bisschen nach unten scrollt, findet man z.B. bei Apple Music und Amazon Music die Atmos-Versionen der Alben – das ist wirklich beeindruckend gemacht.
Im Filmbereich gibt es ebenfalls einige sehr starke Beispiele. Gravity ist nach wie vor ein Klassiker, was Sounddesign angeht. Auch Dune oder die Netflix-Produktion Im Westen nichts Neues zeigen sehr gut, wie immersiv Ton eingesetzt werden kann.
Das Schöne ist: Man muss dafür kein High-End-Kino besitzen. Viele dieser Inhalte lassen sich heute schon über Kopfhörer oder eine gute Soundbar erleben.
Du arbeitest mit Artists, Studios und Streaming-Plattformen – ist Dolby Atmos dort überall angekommen?
In der Filmindustrie ist Dolby Atmos inzwischen vollständig etabliert. Dort wurde schon seit den 1990er-Jahren mit Mehrkanalton gearbeitet, also mit 5.1 oder später 7.1. Der Schritt hin zu immersivem Audio war deshalb vergleichsweise logisch: Statt fester Kanäle gibt es nun eine dritte Ebene und einen objektbasierten Ansatz, bei dem Klänge frei im Raum positioniert werden können.
Natürlich gab es am Anfang eine Lernkurve, als Dolby Atmos 2012 eingeführt wurde. Aber heute ist das Thema in der Filmwelt vollständig angekommen.
Praktisch alle Tonstudios, die für große Streaming-Plattformen wie Netflix oder Disney arbeiten, mischen nativ in Dolby Atmos. Stereo wird meist nur noch zur Kontrolle gegengehört – der eigentliche Mix entsteht in Atmos. In der Musikindustrie ist die Situation etwas anders.
Dort ist der Schritt zu Dolby Atmos deutlich größer, weil die meisten Musikproduzenten vorher kaum in Mehrkanalformaten gearbeitet haben. 5.1 war in der Musik eher eine Nische. Für viele Musiker bedeutet Dolby Atmos also direkt der Sprung von Stereo in eine vollständig immersive, objektbasierte Arbeitsweise.
Hinzu kommt, dass Musikproduktion ganz anders organisiert ist als Filmproduktion. Sie findet nicht in festen Studio-Strukturen statt, sondern oft dezentral: auf Laptops, mit wechselnden Teams, an unterschiedlichen Orten. Genau das macht die Umstellung anspruchsvoll – aber auch spannend.
Trotzdem sehen wir hier große Fortschritte. Inzwischen liegen rund 90 Prozent der weltweiten Top-100-Titel auch in Dolby Atmos vor.
Große internationale Künstler wie Billie Eilish, Ed Sheeran, Taylor Swift oder The Weeknd arbeiten damit, ebenso viele deutsche Acts wie Herbert Grönemeyer, Sarah Connor oder aktuelle Künstler aus Deutschrap und EDM.
Der entscheidende Punkt ist: Dolby Atmos entsteht nicht automatisch. Ein Song ist nur dann in Atmos verfügbar, wenn er in einem Tonstudio so abgemischt wurde. Deshalb besteht unsere Aufgabe heute vor allem darin, Produzenten und Mixing Engineers mitzunehmen, Workflows zu vereinfachen und zu zeigen, dass sich der Aufwand lohnt. Genau dort findet aktuell die spannendste Entwicklung statt.
Ist es für die Musikindustrie schwieriger, den Mehrwert von Dolby Atmos zu erkennen als für die Filmbranche?
Auf den ersten Blick könnte man das denken – aber in der Praxis ist es etwas differenzierter. Tatsächlich ist es so, dass die große Mehrheit der Künstler den Mehrwert sofort versteht, sobald sie ihre Musik einmal immersiv hört. Wirklich über 90 Prozent reagieren sehr positiv darauf.
Der Grund ist einfach: Musiker denken ihre Songs ohnehin nicht in zwei Lautsprechern. Sie denken in Ebenen – Lead-Vocals, Backings, Beats, Effekte. Und genau das bildet Dolby Atmos sehr natürlich ab.
Viele Künstler sagen, wenn sie ihre Musik zum ersten Mal in Atmos hören, dass es sich anfühlt, als würden sie „in ihren eigenen Song hineingehen“. Man ist plötzlich von den einzelnen Elementen umgeben, statt sie nur frontal zu hören.
Gerade bei komplexeren Produktionen wird das besonders deutlich. In Stereo gehen viele Details unter, während man sie in Dolby Atmos klar voneinander trennen kann – etwa wenn die Vocals hinten liegen, Beats vorne sind oder einzelne Elemente bewusst im Raum platziert werden. Der kreative Mehrwert ist also sehr schnell hörbar.
Die eigentliche Herausforderung liegt weniger im künstlerischen Verständnis, sondern eher in der Verbreitung. Viele Künstler fragen sich: Wo können meine Fans das überhaupt hören? Nicht jeder hat zu Hause ein Atmos-Setup, und Musik wurde lange Zeit fast ausschließlich in Stereo konsumiert.
Ein großer Treiber ist aktuell das Auto. Dort ist der Mehrwert sofort erlebbar: Moderne Fahrzeuge haben immer mehr Lautsprecher verbaut, und mit Dolby Atmos werden diese erstmals wirklich individuell angesteuert, statt einfach alle dasselbe Stereo-Signal wiederzugeben. Wenn plötzlich die Backing Vocals buchstäblich von hinten kommen und sich der Raum öffnet, verstehen die meisten sofort, worum es geht.
Dazu kommt, dass die technische Infrastruktur wächst. Weltweit gibt es inzwischen rund 1.500 Studios, die Dolby Atmos unterstützen – von großen High-End-Studios bis hin zu kleineren Indie-Setups. Allein hier in Berlin haben wir schon an die 25 Dolby Atmos Studios. Das macht den Zugang deutlich einfacher, auch für kleinere Künstler.
Natürlich bleibt das Thema Budget ein Faktor, vor allem für Independent-Artists. Aber auch hier wird es zunehmend leichter, weil mehr Studios Atmos anbieten und die Workflows effizienter werden. Insgesamt ist die Entwicklung sehr positiv – und wir stehen, gerade im Musikbereich, eigentlich erst am Anfang.
Was ist mit den Kunden – wie kann ich immersive Musik eigentlich selbst erleben?
Musik wird heute vor allem über Kopfhörer gehört, und genau deshalb ist der Kopfhörer-Use-Case so wichtig für Dolby Atmos.
Viele wissen gar nicht, dass sie Dolby Atmos längst nutzen können. Jeder, der ein Smartphone und Kopfhörer besitzt und einen unterstützten Streamingdienst wie Apple Music oder Amazon Music verwendet, kann Atmos hören – ganz ohne spezielle Hardware.
Der Schlüssel dafür ist der sogenannte binaurale Renderer. Der sorgt dafür, dass der räumliche Klang so auf zwei Ohren übertragen wird, dass das Gehirn ihn als dreidimensional wahrnimmt. Das funktioniert mit ganz normalen Kopfhörern. Man braucht keine speziellen Modelle, keine Zusatzgeräte – einfach Kopfhörer anschließen und loshören.
Dazu kommt das Thema Head Tracking. Das ist sozusagen die nächste Stufe des binauralen Hörens. Dabei wird die Kopfbewegung erfasst, sodass sich das Klangbild nicht mitdreht, sondern stabil im Raum bleibt. Das fühlt sich deutlich realistischer an, weil es unserem natürlichen Hören entspricht.
Einige Kopfhörer – etwa von Apple, aber auch von anderen Herstellern – unterstützen das bereits. Wichtig ist aber: Head Tracking ist ein Zusatz. Dolby Atmos funktioniert auch ohne, das Erlebnis wird durch Head Tracking nur noch immersiver.
Und dann natürlich, wie schon erwähnt, das Auto. Moderne Fahrzeuge haben heute oft zehn, fünfzehn oder mehr Lautsprecher verbaut, also die perfekten Voraussetzungen für ein großartiges immersives Musikerlebnis.
Last but not least kann man natürlich auch im Wohnzimmer über Heimkinoanlagen, Soundbars und Smartspeaker Musik in Dolby Atmos hören.
Welche Rolle spielen Streamingdienste dabei?
Eine enorme. Aktuell unterstützen in Deutschland Apple Music, Amazon Music und Tidal Dolby Atmos. Bei Apple nennt sich das „Spatial Audio“ oder „3D Audio“, technisch steckt aber Dolby Atmos dahinter.
Bei Apple ist es so, dass Dolby Atmos automatisch aktiv ist, wenn man Apple-Kopfhörer verwendet. Nutzt man andere Kopfhörer, muss man Dolby Atmos erst in den Einstellungen der Apple Music App aktivieren. Bei Amazon Music ist es sehr transparent: Atmos-Titel sind klar gekennzeichnet, und man kann direkt zwischen Stereo und Dolby Atmos wechseln.
Wichtig ist: Man braucht keinen speziellen Kopfhörer. Das binaurale Rendering passiert auf dem Smartphone und funktioniert mit jedem Kopfhörer.
Wenn du zum Abschluss einen Blick in die Zukunft wirfst: Wohin geht die Reise beim immersiven Hören? Was kommt als Nächstes?
Da passiert gerade unglaublich viel. Wenn man es grob zusammenfassen will, gibt es drei große Bereiche, in denen wir in den nächsten Jahren sehr viel Bewegung sehen werden.
Der erste ist ganz klar Automotive. Wir sehen immer mehr Hersteller, die Dolby Atmos in ihre Fahrzeuge integrieren – und nicht nur in einzelne Modelle, sondern zunehmend über ganze Modellreihen hinweg.
Dazu kommen immer weitere immersive Inhalte. Neben Musik auch Themen wie Podcasts und Hörbücher:
Ein besonders spannendes Beispiel ist Audible. Dort werden aktuell komplette Hörbuchproduktionen in Dolby Atmos umgesetzt – mit Schauspielern, Sounddesign, Musik, wirklich wie ein Kinofilm fürs Ohr. Die neue „Harry-Potter Full-Cast Edition” ist ein Paradebeispiel, was mit Dolby Atmos möglich ist.
Das ist ein enormer Aufwand, aber es zeigt sehr deutlich, wie ernst dieses Thema genommen wird und wohin sich Audio-Inhalte entwickeln.
Der zweite große Bereich ist die Kopfhörer-Wiedergabe. Hier geht es vor allem um zwei Dinge: Mehr und besseres Head Tracking und personalisiertes binaurales Audio. Beim binauralen Hören wird der Klang so berechnet, dass unser Gehirn glaubt, er komme aus dem Raum um uns herum. Das funktioniert heute schon sehr gut – aber nicht für jeden Menschen gleich, weil jeder Kopf und jedes Ohr ein bisschen anders ist.
Hier setzt die Personalisierung an: Dabei wird der binaurale Klang an die individuelle Kopfform angepasst, etwa durch Scans oder Bewegungsdaten. Dadurch wird das räumliche Hören noch realistischer und konsistenter. Apple und andere Hersteller haben hier bereits erste Lösungen auf dem Markt.
Der dritte Punkt ist, immersives Audio immer zugänglicher zu machen, die Einstiegshürden abzubauen. Schon heute kann im Prinzip jeder mit einem Laptop, einem Kopfhörer und beispielsweise Logic Pro in Dolby Atmos arbeiten. Aber mit Head Tracking und immer besserer Virtualisierung wird es in Zukunft noch einfacher werden, komplette Mischungen über Kopfhörer zu erstellen. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten, gerade auch für kleinere Produzenten, Creator oder Musiker ohne großes Studio. Immersive Inhalte zu erstellen wird in den nächsten Jahren immer einfacher und zugänglicher werden.
Was ist deine Meinung?
Zufrieden? Oder fehlt etwas? Fehler gefunden? Klicke auf ein Emoji, um uns Feedback zu geben!