Intelligente Rasenpflege: Mähroboter nachhaltig einsetzen
Prof. Martin Bocksch gibt Einblicke in Technik, Pflege und nachhaltige Nutzung moderner Rasenroboter
Prof. Martin Bocksch ist Diplom-Agrarbiologe, Verbandsreferent des Deutschen Rollrasen-Verbandes und im Fachbereich Landschaftsarchitektur tätig an der Hochschule Geisenheim University. Zudem ist er als unabhängiger Berater für Rasenpflege und Pflanzenschutz tätig und hilft Betreibern von Grünanlagen und Sportplätzen Rasenprobleme zu beheben. Durch seine Aufträge im In- und Ausland sowie durch die langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Rasenpflege kennt er alle wichtigen Faktoren, die man bei der Rasenpflege und damit auch bei der Nutzung eines Rasen-Mähroboters beachten sollte.
Herr Prof. Bocksch, wie sind Sie zu Ihrem Fachgebiet Rasenpflege und -vermarktung gekommen?
Mein Vater war Verwalter von zwei Gütern, wobei eines dieser Güter sehr große Rasen- und Grünflächen besaß. Daher war es naheliegend, dass sich mein Bruder und ich mit um die Pflege der Rasenflächen kümmern.
Da ich immer viel Spaß an der Rasenpflege hatte und ich diese Aufgabe sehr häufig übernommen habe, hat sich daraus auch meine Liebe zum Rasen entwickelt.
Später habe ich mit dem Biologie-Studium begonnen, bis ich nach dem Vordiplom dann zur Agrarbiologie an die Universität Hohenheim gewechselt habe. Dort wurde mir von Kommilitonen mitgeteilt, dass ein Doktor der Hochschule noch Mitarbeiter für einen Rasenversuch benötigt. Nachdem mir Rasenmähen schon immer Spaß gemacht hat, habe ich mich auch dafür beworben und schließlich den Job bei Herrn Dr. Schulz bekommen. Als Herr Dr. Schulz hörte, dass ich aus Lippstadt komme, hat er mir sofort die Deutsche Saatveredelung AG empfohlen. Dort habe ich dann nach dem Ende meines Studiums sieben Jahre lang gearbeitet, bis ich anschließend zum Deutschen Golf Verband (DGV) wechselte.
Nach den zwei Jahren beim DGV habe ich mich als Berater selbstständig gemacht und berate sehr intensiv im Golfbereich zu den Themen Rasenpflege und Umweltmanagement. Zudem biete ich verschiedene Dienstleistungen auf dem Gebiet des Pflanzenschutzes an und bin sehr häufig auch als Referent tätig.
Aufgrund meiner Referenten-Tätigkeit wurde ich schließlich von der Hochschule in Geisenheim gefragt, ob ich Interesse daran hätte einen Lehrauftrag anzunehmen. Nachdem ich einige Jahre als Dozent tätig war, wurde mir schließlich vonseiten der Hochschule eine Honorarprofessur angetragen, die ich gerne angenommen habe.
Außerdem halte ich die Stelle als Verbandsreferent des Deutschen Rollrasen Verbandes e.V. inne. Dabei liegt meine Arbeit in der Betreuung unserer Mitglieder, der Erstellung unseres Mitgliederorganes, dem „Rasenbrief“ und der Organisation von unseren Veranstaltungen.
Was zählt zu Ihren interessantesten Projekten bisher?
Die herausragenden Projekte sind selbstverständlich diejenigen, bei denen ich großen Golfanlagen dabei helfen konnte, deren Rasenprobleme erfolgreich zu beheben.
Aber ein besonderer Erfolg für mich persönlich war auch ein Auftrag in der Schweiz. Die Aufgabe bestand darin, die Ursache für die Rasenprobleme mehrerer Sportplätze zu finden, auch wenn bereits mehrere Experten auf dem Gebiet den Grund der Probleme nicht finden konnten.
Dabei habe ich herausgefunden, dass die Ursache der Probleme an einer bestimmten Grasart lag. Dadurch waren wir schließlich in der Lage die Plätze wieder gut nutzbar zu machen.
Zudem kam ich durch Beratungsanfragen aus dem Ausland auch an spannende Projekte außerhalb Deutschlands, bei denen ich gleichzeitig auch sehr interessante Länder kennenlernen konnte.Auf der Suche nach Rasen-Experten wenden sich jedoch viele Leute an Fachkräfte aus England oder Amerika, da dort das Thema Rasen auch vonseiten der Hochschulen viel stärker aufgestellt ist als es in Deutschland der Fall ist. Aus diesem Grund versuchen wir dieses Fachgebiet auch in den deutschen Hochschulen wieder mehr zu etablieren. An der Hochschule Osnabrück wurde zum Beispiel eine Rasen-Professur eingerichtet und auch an der Hochschule Geisenheim bin ich auf der Suche nach Nachwuchs für diesen Fachbereich.
Welche Vorteile bietet der Einsatz von Mährobotern zur Rasenpflege?
Der größte Vorteil beim Einsatz von Mährobotern ist natürlich der deutliche Zeitgewinn, da der Mähroboter seine Arbeit selbstständig und zu beliebigen Zeiten verrichten kann.
Ein weiterer Grund, den man auch häufig liest, ist das Recycling des geschnittenen Rasens. Denn bei einem Mähroboter fällt kein Abfall an, da der Roboter stattdessen alles wieder auf den Rasen zurückführt. Dadurch erhält der Rasen alle Nährstoffe, die noch in den geschnittenen Überresten vorhanden sind.
Da das klassische Mähen eines Rasens natürlich auch arbeitsintensiv ist, kann es speziell für ältere Leute oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen bei größeren Flächen zu einem Problem werden. In diesem Fall ist ein Mähroboter eine sehr gute Alternative, wenn man keinen Dienstleister beauftragen möchte und auch keinen Nachbarn fragen kann. In Amerika ist es zum Beispiel gängige Praxis, dass Garten- und Landschaftsbau Firmen als Dienstleister beauftragt werden, um den Rasen zu mähen. Da diese Dienstleister in Amerika jedoch mit Pauschalzahlungen arbeiten, versuchen sie auch möglichst viele Fahrten einzusparen. Um dies zu erreichen, werden neben dem Rasenmähen zusätzliche Wachstumsregulatoren versprüht, die das Rasenwachstum für eine gewisse Zeit verringern. Dieser Trend zur Nutzung von Dienstleistern ist aufgrund der hohen Lebenserwartung hierzulande auch für deutsche Garten- und Landschaftsbau Firmen ein interessantes Thema.
Gibt es bekannte Probleme bei den Robotern, die man vor einem Kauf wissen sollte?
Ein sehr häufiges Problem besteht bei der Pflege des Mähroboters. Denn viele Menschen gehen davon aus, dass man einen Rasen-Mähroboter nur installiert und nichts weiter beachten muss. Jedoch besteht ein Unterschied zwischen den Messern eines klassischen Rasenmähers und denen eines Mähroboters. Während ein klassischer Rasenmäher mit einer größeren Sichel arbeitet, die geschärft werden sollte, nutzen Mähroboter mehrere kleine Klingen. Diese Klingen sind schärfer als die eines gängigen Rasenmähers und werden mit einer geringeren Geschwindigkeit gedreht. Daher ist es wichtig diese Messer regelmäßig zu wechseln, um ein gleichmäßiges Mähergebnis zu erzielen.
Ein anderes Problem ergibt sich aus der Navigation der Roboter, da diese meist nach dem Zufallsprinzip arbeiten und ein Begrenzungskabel nutzen, um die zu mähende Fläche festzulegen. Wenn dieses Kabel nicht korrekt verlegt wurde, kann es zu Schäden oder bei fehlenden Begrenzungen sogar zum Verlust des Roboters kommen. Daher sollten sowohl für die Verlegung des Begrenzungskabels als auch für die Einrichtung der Basisstation am besten Fachleute beauftragt werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Räder der Mähroboter. Diese sind deutlich kleiner als die Räder eines normalen Rasenmähers. Da Mähroboter ein nicht zu vernachlässigendes Gewicht haben und viele Roboter drei Räder besitzen, verteilt sich das Gewicht nur auf diese drei kleinen Räder.
Durch diese erhöhte Bodenbelastung kann es bei häufigen Fahrten auf der gleichen Stelle zu Schäden für den Rasen kommen.
Ein besonders stark belasteter Bereich ist der Rasen vor der Basisstation und auf dem Weg dorthin. Um die Station mit Strom zu versorgen, wird diese oft in der Nähe der Terrasse eingerichtet. Nach einiger Zeit könnte der Rasen vor der Station jedoch durch die häufigen Fahrten des Roboters beschädigt werden und einen unschönen Fleck verursachen. Um dieses Problem zu lösen, kann man in einem kleinen Bereich vor der Basisstation Pflastersteine verlegen und dadurch die starke Abnutzung an dieser Stelle verhindern.
Meines Erachtens sollte man zudem wissen, dass man einen Mähroboter nicht unbeaufsichtigt arbeiten lassen sollte, da er eine Gefahr für Kinder oder auch Kleintiere, die sich im Garten befinden können, darstellt. Deshalb sollte der Roboter auch nicht nachts eingesetzt werden, da zu dieser Zeit vermehrt Tiere unterwegs sind, die durch die Messer des Roboters verletzt oder gar getötet werden könnten.
Ein weiteres Problem kann auch durch das Recycling des geschnittenen Rasens entstehen. Denn neben dem normalen Gras werden auch Ungräser wie die Poa Annua, die jährige Rispe, durch den Roboter wieder auf den Rasen zurückgeführt. Die Poa Annua produziert fast durchgehend neues Saatgut, das beim Mähen durch den Roboter nun immer weiter über die Rasenfläche verteilt wird. Daher würde ich empfehlen, den Mähroboter in der Hauptblütezeit der jährlichen Rispe nicht zu nutzen und stattdessen in dieser Zeit wieder auf den manuellen Rasenmäher zurückzugreifen.
Es gibt außerdem noch einen zweiten Punkt, weshalb ich den Leuten nahe legen möchte ihren alten Rasenmäher nicht zu entsorgen: Wenn der Rasen nass ist, kann ein Mähroboter Schaden am Boden anrichten, da der Boden bei Nässe verdichtet wird und das Gewicht des Roboters durch die kleinen Räder zu starken Druck ausübt.
Nun kommt noch ein dritter Grund dazu, der dafür spricht den klassischen Rasenmäher zu behalten: Oft existieren Ungräser im Rasen, die durch Ausläuferbildung gekennzeichnet sind. Das bedeutet es gibt eine Pflanze, die einen Ausläufer bildet. Dieser versucht normalerweise nach einigen Zentimetern wieder nach oben zum Licht zu dringen. Durch die häufigen Fahrten des Mähroboters wird dieser Ausläufer jedoch immer wieder nach unten gedrückt und wächst somit nach außen weiter.
Dieser Umstand beschleunigt die Bildung unschöner Flecken im Rasen.
Um dies zu vermeiden, sollte man auf Ungräser im Rasen achten und diese möglichst früh aus dem Rasen entfernen.
Was sind die wichtigsten Kriterien, die man bei einem Mähroboter beachten muss?
Ein Kriterium beim Kauf eines Mähroboters ist in meinen Augen die Erfahrung des Herstellers, bei dem ich den Roboter kaufe. Ein sehr erfahrener Hersteller ist sicherlich die Firma Husqvarna. Diese hatten lange Zeit die einzige Lizenz, um Mähroboter zu verkaufen. Auch wenn es heutzutage sehr viele weitere Hersteller gibt, gehört Husqvarna trotzdem zu den Produzenten mit der meisten Erfahrung auf dem Gebiet und zudem haben sie meiner Meinung nach auch die ausgereiftesten Geräte. Daher bin ich auch der Ansicht, dass sich der etwas höhere Preis in diesem Fall lohnt.
Vor einem Kauf sollte man außerdem beachten, wie die Messer des Roboters getauscht werden können. Natürlich ist hier auch wichtig, wie teuer diese sind und wo ich neue Klingen zum Wechseln bekomme.
Auch die Akkuleistung ist ein wichtiger Faktor bei einem Roboter. Dabei sollte man sich informieren wie lange das Gerät mit einer Akkuladung läuft, damit der Roboter nicht übermäßig oft fahren muss, um den kompletten Rasen zu mähen. Denn dadurch kann eine unnötige Belastung des Rasens vermieden werden.Nicht zu vergessen ist auch der Schutz von Tieren. Hierbei sollte man darauf achten wie der Roboter im Falle einer Kollision abgesichert ist.
Was möchten Sie den Bluepick-Nutzern zum Thema Mähroboter noch mit auf den Weg geben?
Für diese Frage bin ich sehr dankbar.
Denn es gibt ein Thema, das von vielen Leuten nicht beachtet wird.
Und zwar das Thema Schnitthöhe. Die meisten Leute sind ihren Handrasenmäher gewohnt und haben diesen auf eine bestimmte Höhe eingestellt. Meistens sind es um die 3-4 cm. Sobald nun gemäht wird, ist das Gras auf die entsprechende Höhe von 3-4 cm zurückgeschnitten und damit hat die Pflanze auch nur 3 cm Photosynthese-Fläche. Dann wird der Rasen jedoch stehen gelassen und er wächst wieder bis zu einer bestimmten Aufwuchs-Höhe von etwa 6-8 cm, bis er wieder gemäht wird. Das bedeutet, dass der Rasen eine gewisse Zeit lang auch eine Photosynthese-Fläche von etwa 8 cm hat und in dieser Phase auch wesentlich mehr Energie produzieren kann als bei 3 cm. Daher hat die Pflanze im Schnitt nicht 3 oder 8 cm Photosynthese-Fläche, sondern durchschnittlich 6 cm. Deswegen darf man einen Mähroboter nicht auf die 3-4 cm Höhe seines klassischen Rasenmähers einstellen, sondern sollte stattdessen die durchschnittliche Höhe verwenden. Denn der Mähroboter hält den Rasen ständig auf dieser Höhe, was bei einer zu niedrigen Schnitthöhe vor allem in kritischen Jahren zu Schäden der Grasnarbe führen kann.
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